Mein Lieblingspferd, mein Ehemann & ich…

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Gestern Abend, so mein Ehemann, habe er nachgedacht und ihm sei aufgefallen, dass Reiter bei ihren Mitmenschen sehr unterschiedliche Gefühle auslösen. Für die einen seien sie arrogant, reich und zickig, für die anderen sind es die mit den Pferdehaaren überall, sogar auf den Autositzen oder die, die nie Zeit haben weil sie zum Pferd müssen oder die, die vor allem durch rustikale Kleidung auffallen. Und darüber solle nun ich, seine Ehefrau, doch einmal nachdenken.

Kein Problem dachte ich, ich weiß genau was er meint.  Meist beginnt alles mit drei harmlosen Fragen: „Ach, Du hast ein Pferd? Was machst Du denn so? Springen oder Dressur?“ „Nein, ich reite Western.“

„Hmm, Western. Ich dachte, Du reitest richtig. Ist das so mit Cowboyhut? Machst Du da auch Lagerfeuer und so? Ich mag übrigens Countrymusik auch total gern“.

„Nein, modernes Westernreiten hat nichts mit Cowboys zu tun. Am Lagerfeuer habe ich zum letzten Mal gesessen als ich fünfzehn war. Und Countrymusik ist nicht wirklich meine Lieblingsmusik. Westernreiten ist eine Reitdisziplin und auch Turniersport.“

„Naja, ist ja eigentlich auch egal, dass Pferd macht ja sowieso die meiste Arbeit.“

„Nein, es ist nicht egal! Reiten ist Arbeit und Einsatz. Und nein, Beyonce sieht nicht aus wie Beyonce weil sie reitet.“

Manchmal, aber nur manchmal, lasse ich dann eine Einladung in den Stall zu meinem Lieblingspferd folgen um dann anschaulicher erklären zu können, dass ich tatsächlich ‚richtig’ reite..

„Ach, ich dachte immer so ein Turnierpferd, wäre größer.“

„Es ist ein Quarter Horse, etwas kleiner, aber sehr muskulös. Es ist eine amerikanische Rasse.“

„Ha, also doch Cowboys und Dein Sattel sieht auch so aus wie im Fernsehen und einen Hut hast auch.“

„Ja, ich habe Hut und Sattel, aber nein, ich bin immer noch kein Cowboy. Ich mag einfach die Pferde und diese Art von Sport.“

„Pferde sind doch bestimmt teuer. Hast du jemals gedacht, was Du Dir alles ohne Pferd leisten könntest? Urlaub, Auto Klamotten…“

„Ja, ich habe darüber nachgedacht, direkt nach dem Gang über die matschige Weide oder ich wegen einer Kolik die Nacht im Stall verbracht habe. Aber nicht alles worüber ich nachdenke interessiert mich.“

„Im Ernst, Du lässt alle sechs Wochen den Hufschmied kommen? Wie oft geht Du denn zur Maniküre?

„Ein korrektes Hufmanagement ist für Pferde unerlässlich. Es ist keine Schönheitsbehandlung ..“

„Was machst Du denn nur mit all den Pferdedecken? Brauchst Du wirklich so viele?“

„Das sind keine Pferdedecken, das sind Sattelpads. Und ich frage Dich auch nicht, warum Du so viele Schuhe hast und ob Du sie wirklich brauchst.“

„Dein Lieblingspferd ist wirklich süß. Kann ich mich auch mal draufsetzen und ein bisschen reiten?

„Du willst auf meinem wertvollsten Besitz reiten, in den ich so viel Liebe, Schweiß, Blut, Tränen und Geld investiert habe??? Nein!!!

Was regst Du Dich so auf? Es ist doch nur Pferd! Die Tochter meiner Schwester hatte auch mal so eine Phase, aber sie ist rausgewachsen. Und überhaupt, wenn ich mal Western reite, dann die Turniere mit dem Glitzer und den wirklich schicken Klamotten.“

Dieser letzte Satz erreicht mein Ohr nur noch Ferne. Ich habe die Stallgasse schon verlassen und bin auf dem Weg zu meinen Ehemann, der mich und mein Lieblingspferd so nimmt wie wir sind. Und das Beste: Wir sprechen nicht nur über Pferd! Und das so mein Ehemann, habe er eigentlich nur hören wollen.

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