Effektive Weide-Pflege ist im Kampf gegen Parasiten wichtiger als Wurmkuren

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Weide-Management gegen Parasiten

Von Heather Smith Thomas

Auf der grünen Weide grasende Pferde sind ein idyllisches Bild. Aber die Situation mag nicht so friedvoll sein, wie sie aussieht. Die Tiere könnten mit jedem Maulvoll schädliche Parasi­ten aufnehmen. Forscher haben nachgewiesen, dass auf den mei­sten Pferdebetrieben die größte Gefahr für Magen-Darm-Parasiten auf der Weide lauert.

Das Ziel eines Programms zur Parasitenbekämpfung ist, die Übertragung zu unterbrechen, indem man auf spezielle Para­siten zu bestimmten Zeiten abzielt. Letztere variieren mit dem Klima. Weil die Würmer Resistenzen gegen die Wurmmittel ge­bildet haben (und weiterhin bilden), sollten Pferdebesitzer an­dere Möglichkeiten der Parasitenkontrolle suchen – wie zum Bei­spiel das Weide-Management.

Martin Nielsen, ein Assistant Professor in Parasitologie im Maxwell H. Gluck Equine Research Center an der University of Ken­tucky in Lexington, sagt dass Pferdebesitzer sich mehr und mehr für das Weide-Management für die Parasitenkontrolle interessieren, obwohl es nur wenig wissenschaftliche Infor­ma­ti­o­nen gibt, die sie darin unterstützen.

„Dies ist ein Gebiet, das in jüngerer Zeit nicht studiert wur­de“, sagt er. „Jahrzehntelang dachten wir nicht, Weide-Ma­na­gement nötig zu haben. Pferdebesitzer nahmen an, sich allein auf chemische Entwurmungsmittel verlassen zu können. Jetzt wachen wir auf und sind mit vielen Fragen konfrontiert.“

Einige dieser Fragen sollen hier angesprochen werden und Wege aufgezeichnet werden, wie man sein Land bewirtschaften kann, um die Parasitenbedrohung zu kontrollieren.

DIE HAUPTSÄCHLICHEN SCHULDIGEN

Die beiden hauptsächlichen Parasiten-Kategorien, über die sich Besitzer und Tierärzte Sorgen machen müssen, sind Asca­riden (große Rundwürmer) und Strongyliden.

„Diese Gruppen unterscheiden sich in ihrem Äußeren auf der Weide“, erklärt Nielsen. „Strongyliden-Larven schlüpfen aus ihren Eiern und wandern bei nassen Bedingungen auf die Fut­terpflanzen. Ascariden-Larven hingegen bleiben in ihren Ei­ern, wodurch sie weniger anfällig für Umweltbedingungen sind.“

Fohlen infizieren sich mit Ascariden, indem sie die Eier aufnehmen, welche die Larven enthalten. Wenn eine Grünfläche umgepflügt wird, werden Ascarideneier bis zu 30 Zentimeter tief in die Erde gebracht. Weil sie sich nicht selbst fortbewegen können, werden sie durch Umpflügen und Neueinsaat alle paar Jahre für die Pferde unerreichbar gemacht und können so die Ascariden-Population auf einer Weide verringern.

Aber Nielsen warnt, dass Ascarideneier im Boden ein Jahr und mehr überdauern können.

„Weil Ascariden hauptsächlich für Fohlen ein Problem darstellen, ist diese Unterbrechung des Lebens-Zyklus eine perfekte Strategie“, sagt er. „Sind Fohlen erst einmal acht bis 10 Monate alt, können sie diese Würmer ausscheiden. Als erwachsene Pferde haben sie keinen signifikanten Befall, aber die Eier, die sie als Fohlen ausgeschieden haben, warten noch immer im Boden und sind bereit für einen weiteren Fohlenjahrgang.“

Auf den meisten Gestüten gehen die Zuchtstuten Jahr für Jahr durch denselben Abfohlstall und laufen mit ihren Fohlen auf denselben Paddocks.

„In vielen Fällen werden diese Paddocks nie umgepflügt“, sagt Nielsen. „Wenn Eier mehrere Jahre überleben können, ab­hängig von Klima und Umgebung, könnte ein Umpflügen alle drei Jahre die Anzahl der Eier reduzieren, welche die folgende Fohlengeneration befallen kann.“

Natürlich gibt es Wurmmittel zu kaufen, welche den Para­si­tenbefall auf weniger arbeitsintensive Weise reduzieren sollen, aber wie erwähnt verlieren viele ihre Wirkungskraft gegen Pa­ra­siten wie Ascariden. Nielsen sagt, dass Mittel wie Ivermectin und Moxidectin auf den meisten Farmen nicht mehr effektiv sind und dass es Beweise dafür gibt, dass die Würmer auch Re­sistenzen gegen die anderen beiden Wirkstoffklassen bilden (Benzimidazoles und Pyrantel-Formeln).

„Wir haben keine neuen Medikamente, die nachrücken“, sagt Nielsen. „Darum können wir größere Ascariden-Bela­stun­gen erwarten auf Farmen, die jedes Jahr Fohlen haben.“

Weide-Management kann auch helfen, die kleinen Stron­gy­liden zu kontrollieren, die erwachsene Pferde plagen.

„Auf jeder Horse Farm sind die meisten dieser Würmer drau­ßen auf den Weiden und nicht in den Pferden“, sagt Andrew Pe­regrine, Associate Professor des Departments of Patho­bio­logy des Veterinary Colleges der University of Guelph’s in Onta­rio. „Wie du die Weiden pflegst ist wichtiger als Wurmmittel, wenn du Parasiten auf ein vernünftiges Maß reduzieren willst.“

Die Kleinen Strongyliden überwintern in einem Ruhesta­di­um in der Darmwand des Pferdes und erwachen dann im Früh­ling, um auszuwachsen und Eier zu legen, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich in zwei Sta­dien im Kot entwickeln. Im dritten Stadium sind sie in der Lage, Pferde zu infizieren, verlassen sie den Kot und wandern auf Futterpflanzen, um mitgefressen zu werden. Haben sie sich in einem Wirtstier etablieren können, beginnt der Zyk­lus erneut.

Eine rotierende Beweidung, bei der die Pferde nur kurze Zeit auf einer Fläche bleiben, so dass sie diese nie kurz abgrasen, kann die Übertragung drastisch verhindern, weil die Larven der Strongyliden nur den unteren Teil der Futterpflanzen besetzen.

„Je weniger aggressiv eine Fläche beweidet wird, desto we­niger grasen die Pferde nahe des kontaminierten Bereichs“, er­klärt Nielsen. Pferde bemühen sich, Bereiche zu meiden, wo sie Kot abgesetzt haben.

Forscher haben in verschiedenen Studien in den 1920er und 1930er Jahren (bevor es Entwurmungsdrogen gab) dem Weide-Management Aufmerksamkeit geschenkt.

„Eine Studie wurde im Nordosten der USA durchgeführt, wo die Winter kalt sind“, sagt Nielsen. „Sie zeigte, dass das Mähen der Weiden am Ende der Weidesaison, nachdem die Pferde ab­getrieben worden waren, aber bevor es eine Schneedecke gab, das Überleben der Parasiten reduzierte. Hohe Weidepflanzen und eine Schneedecke zusammen isolieren und schützen die Pa­rasiten. Wenn dagegen das hohe Gras abgemäht ist, sind niedrige Tem­peraturen, Frost, Tauwetter vor und nach Schnee ungünstig für das Überleben der Strongyliden.”

Pflügen ist gegen Strongyliden nicht so effektiv, weil manche Strongyliden-Larven in der Lage sind, durch bis zu 30 cm dicke Erdschichten zurück zur Oberfläche zu wandern.

BESATZDICHTE UND WEIDEROTATION

Unter natürlichen Bedingungen freilaufende Pferde grasen diese Selten in der Nähe ihres Kotes, sagt Thomas Craig vom Department of Veterinary Pathobiology an der Texas A&M University. Das ist die Art und Weise, wie die Natur einen Para­sitenbefall minimiert.

„Es mag einmal vorkommen – wenn z. B. während einer Dürre das Futter knapp wird –, dass sie Gras neben Kotab­la­gerungen fressen und sich so stark infizieren“, sagt Craig, „aber generell sind sie auf großen Flächen nur wenigen Würmern ausgesetzt … gerade genug, um eine gewisse Immunität zu stimulieren. Wenn der Wurmbefall niedrig ist, können sie damit fertigwerden.“

Wir intervenieren in diesem natürlichen Prozess, indem wir die Pferde beschränken und zwingen, immer wieder auf denselben kleinen Weiden zu weiden.

Die Parasitenpopulationen tendieren dazu, größer zu sein, wenn eine Fläche stark besetzt ist und die Pferde sie überweiden, sagt Nielsen. Zu den Anzeichen für eine überweidete Flä­che gehören Geilstellen (Bereiche mit hohem Gras, wo die Tie­re Kot absetzen) und sehr kurz abgefressene Stellen. Überweidung kann durch die beschriebene Rotationsbeweidung vermieden werden. Manche Pferdebesitzer praktizieren die Be­weidung sehr kleiner Parzellen mit elektrischem Wanderzaun, wobei eine große Anzahl Tiere für eine kurze Zeit aufgetrieben werden. Die Tiere werden dabei ständig auf eine neue Fläche gelassen – manchmal zweimal am Tag. Sie fressen die oberen Teile der Pflanze und zertrampeln den Rest, was dem Boden zugute kommt. Sie fressen eine Pflanze nur selten weit genug ab, dass sie Parasiten aufnehmen können. Idealerweise werden die Pferde nicht wieder auf einen solche Fläche gelassen bevor das Gras wieder hochgewachsen ist.

„Wenn man aber die Pferde zu früh wieder auf eine solche Fläche lässt, sind die Parasiten bereit, aufgenommen zu werden“, warnt Peregrine. „Man muss der Weide Zeit geben, da­mit die Parasiten absterben können. Das dauert länger wäh­rend eines heißen, feuchten Sommers als während eines hei­ßen, trockenen (Hitze und Trockenheit sind schlecht für die Würmer).”

Wenn man viele Pferde auf eher kleiner Fläche bewirtschaftet, muss man besonders sorgsam bezüglich Besatz und Ro­tation sein. Man kann erkennen, ob das Management die ge­wünschten Ergebnisse zeitigt, indem man die Eier im Mist der Pferde zählt und so den Wurmbefall bestimmt.

Eine Fläche abwechselnd für Heu mähen und beweiden lassen ist eine weitere Möglichkeit, den Vermehrungszyklus der Parasiten zu unterbrechen, sagt Craig. „Die Pferde können sie im Frühling kurz beweiden, und dann kann man es für die Heu­mahd wachsen lassen“, erklärt er. „So werden die Pflanzen nicht gefressen, auf welche die Parasiten gewandert sind, sondern stattdessen für Heu gemäht. Die Larven überleben den Trocknungsprozess nicht. Wenn das Gras auf der Fläche im Spätsommer wieder nachgewachsen ist, können die Pferde es wieder beweiden, ohne sich zu infizieren.“

Weiterhin fressen Rinder das hohe Gras nahe dem Pferde­mist ab. Die Wurmlarven darauf können ihren Zyklus im Or­ga­nismus der Kuh nicht beenden, und keine Wurmeier werden aus­geschieden. Dasselbe gilt für Schafe.

„Schafe grasen überall und haben keine besonderen Stellen, wo sie Kot absetzen“, fügt Nielsen hinzu. „Sie fressen auch die Geilstellen der Pferde ab. Das hohe Gras an den Stellen schützt die Parasiten vor Hitze und Austrocknung; es hält das direkte Sonnenlicht ab und hilft, den Bereich feucht zu halten. Es mit Rindern oder Schafen abzugrasen lässt die Würmer anfällig für Austrocknung zurück.“ In geeignetem Klima kann das Abmä­hen des hohen Grases aus demselben Grund vorteilhaft sein, und es setzt den Mist mehr der Hitze und Austrocknung aus.

MISTENTFERNUNG

Wo Überweidung und Überbesatz nicht zu vermeiden sind, ist Weidehygiene das nächstbeste Mittel, um den Parasi­ten­befall zu verringern, sagt Nielsen. Die Pferdebesitzer können den Mist von der Weide absammeln oder absaugen und ffür Kompost nutzen. Er sagt, dass dies besonders in Fällen von er­höhtem Risiko kosteneffektiv ist, wie bei mit Fohlen besetzten Wei­den, weil Weide-Management viel weniger kostet als tier­ärztliche Behandlungen von Fohlen wegen Parasitenschäden.

Im Frühling und Herbst schlüpfen die Larven aus den Eiern und stellen für zwei oder drei Wochen eine Infektionsgefahr dar.

„Wenn man einmal wöchentlich den Mist absammelt, reduziert dies das Infektionsrisiko einer Weide signifikant“, fügt Niel­sen hinzu. „Es mag Pferde mit Eierbesatz geben, der eine Be­handlung mit Entwurmungsmittel ratsam macht, aber mit dieser Vorgehensweise ist es möglich, solche Entwurmungen weniger oft notwendig zu machen.“

Peregrine sagt, es gibt Beweise, dass ein Absammeln des Mistes zweimal wöchentlich eine Auswirkung auf den Para­si­tenbefall hat wie das intensivste medikamentöse Entwur­mungsprogramm.

„Kotabsammeln war früher die Methode zur Parasiten­kon­trolle“, sagt er, „bevor wir die Entwurmungsmittel hatten. Die­se Praxis kann sehr effektiv sein. Ich empfehle das Absammeln des Mistes zweimal wöchentlich und sogar öfter wenn die Weide nass ist (vom Regen oder Bewässerung).“

Er erinnert sich an eine Farm, wo 80 Standardbreds standen und sämtliche Pferde jeden Alters signifikante Parasiten­pro­bleme hatten. Die Besitzer gaben $50,000 für einen Weide­staub­sauger aus, den sie zweimal wöchentlich zum Einsatz brach­ten, und sie hatten kein Parasitenproblem mehr.

Take-Home Message

Ein gewisser Parasitenbefall ist normal und schadet normalerweise einem gesunden Pferd nicht. Letztlich müssen Pferde mit ein paar Parasiten in Kontakt kommen, um eine Immunität zu entwickeln.

„Es ist möglich, Würmer komplett zu eliminieren“, sagt Niel­sen. „Wir haben das versucht, und das Endresultat ist die Re­sistenz gegenüber den Wurmmitteln. Der nächste Schritt ist Weide-Management, um sicherzustellen, dass die Pferd von vornherein nicht viele Würmer aufnehmen.

Kompost-Forschung

Mary Rossano, Assistant Professor im Department of Ani­mal and Food Science der University of Kentucky in Lexington, hat den Effekt von Mist-Kompostierung und -Wind-Rowing auf die Parasitenpopulation auf Pferdeweiden studiert (Wind-Rowing = Kompostierung durch Bildung von langen Reihen von organischem Material und biologisch abbaubarem Abfall). In ihrer unlängst veröffentlichten Studie zeigte sie, dass keine Strongyliden oder Ascariden-Eier mehr als ein paar Tage das Wind Rowing überlebten. Rossano und ihre Studenten maßen die Temperature in Wind Rows und stellten fest, dass die Temperatur im Zentrum nur 40°C erreichen muss, um die Wurmeier abzutöten.

„Wenn man mit Mist Wind Rows bildet, ist das effektiver als traditionelle Komposthaufen“, erklärt Nielsen, der sagt, dass er Temperaturen bis zu 70°C in Komposthaufen gemessen hat.

„Dies ist eine der ersten Veröffentlichungen über praktisches Parasiten-Management seit Jahrzehnten“, fährt er fort. „Vie­le denken über ein Recycling des Mistes nach, und wenn sie den aufsetzen zur Kompostierung bevor sie ihn auf die Flächen ausbringen, ist es nicht schwer, die Temperaturen der Haufen zu messen. Rossanos Studie zeigt, dass alle Parasiten abgetötet sind, wenn die Temperatur für fünf aufeinander folgende Ta­ge entsprechend hoch bleibt.”

„Wir haben die Rundwürmereier immer für die widerstandsfähigsten aller Parasiteneier gehalten, fäig, auch große Extre­me in Hitze und Trockenheit zu überdauern“, fügt Andrew Pe­regrine hinzu. „Zu entdecken, dass die Hitze beim Kom­po­stie­ren diese Eier in relativ kurzer Zeit töten kann (vier oder fünf Tage), ist fantastisch, denn Strongyliden-Eier werden in noch kürzerer Zeit abgetötet.“

Abschleppen – hilfreich oder schädlich?

Das Abschleppen von Weiden, um Kotansammlungen auf zubrechen, kann gut oder schlecht sein für die Parasiten­kon­trolle – das hängt vom Klima ab.

„In moderatem, feuchtem Wetter ist das Ausbreiten des Mi­stes dem Schutzmechanismus des Pferdes gegen Parasiten hin­derlich, nämlich seinem selektiven Grasen“, sagt Nielsen. „Wenn man den Mist über die ganze Weide verteilt, haben die Pferde keine Chance mehr, den Parasiten fernzubleiben.“

In Klimaten mit wochenlang konstanten hohen Tempera­tu­ren und relativ wenig Niederschlag kann Abschleppen Stron­gylidenlarven abzutöten helfen.

„Wenn die Larven das infektiöse dritte Stadium erreicht haben (darauf wartend, mitgefressen zu werden), können sie nicht fressen und keine Energie mehr aufnehmen“, erklärt Niel­sen. „Sie haben die Lipide und Kohlenhydrate nur in ihrem Kör­per gespeichert. Wenn sie aufgebraucht sind, sterben sie, es sei denn, sie werden von einem Pferd gefressen. Je warmer sie es haben, desto schneller verbrauchen sie ihre gespeicherte Ener­gie.“

Wenn man darum die Pferde für ein paar Wochen nach dem Abschleppen während einer heißen, trockenen Periode von der Fläche weglassen kann, bleiben weniger Parasiten auf der Wei­de. Dies gilt für Strongyliden, aber nicht für Ascariden, die noch im Eistadium und darum dauerhafter sind.

Diese Indianerpferde in einem Reservat in Arizona

leben unter natürlichen Bedingungen, fast wie Wildpferde, und haben eine so große Fläche zur

Verfügung, dass Reinfektionen mit Würmern kaum vorkommen

Foto Oelke

 

Umpflügen und Neueinsaat von Weideflächen ist hierzulande weniger üblich als z. B. in den USA, kann aber eine wirkungsvolle Maßnahme gegen Parasiten sein

Foto Oelke

 

 

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