Studie: Sperrhalfter können Stress verursachen

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Sperrhalfter können die natürliche Bewegung des Pferdekiefers behindern und verhindern oft, dass die Tiere Unbehaglichkeit beim Reiten anzeigen können. Aber ob dieser Zwang für Pferde Stress bedeutet, wurde nie untersucht.

In einer kürzlichen Studie haben australische Forscher herausgefunden, dass Pferde physiologische Anzeichen von Stress zeigen, die mit Sperrhalfter geritten werden, wobei diese umso deutlicher werden, je enger das Nasenband geschnallt wurde. Es zeigte sich auch, dass die Stress-Symptome verschwinden, sobald die Sperrhalfter abgenommen werden, was andeutet, dass das Wohlbefinden der Pferde dadurch kompromittiert wird.

„Das Pferd kann uns viele Informationen darüber geben, wie wir reiten, aber dazu muss es die Möglichkeit haben, das Maul zu öffnen“, sagt Dr Paul McGreevy, Professor für Tierverhalten und Tierschutz an der University of Sydney.

„Als Gemeinde der Reiter könnten wir sehr viel rücksichtsvoller sein gegenüber dem Preis, den die Pferde zahlen, wenn wir sie dazu bringen, sich so zu bewegen, wie wir das wollen.“

In dieser Studie haben McGreevy und seine Kollegen 12 Pferde untersucht, die in einer „Double Bridle“ (Trense plus Kandare( und Sperrhalfter geritten wurden (keins der Pferde war vor diesem Test mit dieser Zäumung geritten worden, die gewöhnlich von Dressurreitern benutzt wird.

Sie untersuchten die Pferde mit vier verschiedenen Sperrhalfterverschnallungen: locker, Platz für zwei Finger zwischen Nasenband und Pferdemaul, enger (Platz für einen Finger) und so eng, dass kein Finger dazwischen passte. Sie fanden, dass mit zunehmend enger Verschnallung die Herzfrequenz der Pferde anstieg, ebenso die Temperatur der Augen —zwei anerkannte physiologische Merkmale für Stress. Andererseits fiel die Heart Rate Variability (HRV), ein weiterer Indikator für equiden Stress.

„Wir untersuchten jeweils nur 10 Minuten lang und wandten keinen Zug an den Zügeln an, so man kann sich vorstellen, welchen Effekt man bekommt, wenn der Druck länger andauert oder mit Druck seitens der Zügel kombiniert wird“, sagte McGreevy. „Was wir herausgefunden haben, mag nur die Spitze eines Eisbergs sein.”

Wenn die Forscher die Sperrhalfter abnahmen, konnte ein signifikanter Anstieg des Verhaltens  beobachtet werden, dass die Sperrhalfter verhindern hatten, wie Gähnen, Kauen und Lecken.

Dieser „Post-inhibitory Rebound Response” (verstärktes Verhalten nach einer Einschränkung) zeigt, dass die Pferde sich durch die Behinderung oder das Verunmöglichen dieser Verhaltensweisen unwohl gefühlt haben und dass dies darum einer artgerechten Haltung und einem artgerechten Umgang mit Pferden entgegen ist.

„Dies wirft die Frage auf, wie weit wir willens sind, im Namen des Sports natürliches Verhalten des Pferdes zu unterdrücken. Es ist ein Thema, worüber die Pferdesportorganisationen zu entscheiden haben.”

– Ach ja? Wer hat denen die Macht gegeben, über Wohl und Wehe der Pferde zu entscheiden? Es ist wohl zunächst eher eine Frage, die jeder Reiter für sich entscheiden muss, notfalls auch gegen die Regeln irgendwelcher Verbände…

James Yeates, Chief Veterinary Officer der Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals (Verein zur Verhinderung von Grausamkeiten an Tieren) in Southwater, England, stimmte dem zu:

„Diese Ergebnisse lassen uns aufhorchen und nachdenken und uns selbst hinterfragen bezüglich dessen, wie wir unsere Pferde trainieren.“

Bei Dressurturnieren der Fédération Equestre Internationale (FEI) sollen die Richter Reiter bestrafen, deren Pferde das Maul aufmachen – eine Regel, die ursprünglich dazu gedacht war, die Reiter dazu zu bringen, so rücksichtsvoll zu reiten, dass sie das Maul geschlossen halten.

„Aber das verfehlt die ursprüngliche Absicht und hat zu Methoden geführt, welche die physischen Reaktionen des Pferdes verhindern, wie enge Sperrhalfter“, sagt Yeates.

„Solche Methoden sind dem Wohlergehen der Pferde entgegen. Und sie verhindern außerdem, dass die Richter gutes Reiten erkennen können.”

Derzeit verlangen die FEI-Dressurregeln sogar, dass die teilnehmenden Pferde Sperrhalfter tragen – ein typisches Beispiel für die z. T. unsäglichen Zöpfe, die dort seit Jahr und Tag unabgeschnitten bleiben. Sie sagen allerdings aus, dass sie nie so eng verschnallt sein dürfen, dass sie „dem Pferd Schaden zufügen“.

Die Studie zeigt allerdings, dass ein Sperrhalfter schon in dem Moment Unbehagen verursacht, wenn es die Bewegungen des Kiefers beeinträchtigt…

(„The Effect of Noseband Tightening on Horses’ Behavior, Eye Temperature, and Cardiac Responses”, PLoS One)

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