Hengste strategisch aufstallen für bessere Samenqualität

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Nichts bringt das Blut so in Wallung wie etwas Konkurrenz. Das scheint auch für Hengste zu gelten und ihre Samenqualität zu steigern. In einer neuen Studie haben Schweizer Forscher herausgefunden, dass Hengste eine bessere Samenqualität aufweisen, wenn sie neben anderen Hengsten aufgestallt werden, und nicht etwa, wenn sie neben Stuten stehen.

Die Hengste standen hierfür acht Wochen in Boxen ne­beneinander in einem Hengststall und dann mehrere Wochen in einem Einzelstall neben einer Stute. Neben anderen Hengsten zu stehen, ließ sie Samen mit einer erhöhten Anzahl von Spermien produzieren, die dazu von erhöhter Beweglichkeit waren, so Dr. Dominik Burger, Wissenschaftler am Institut für Equidenmedizin der Universität Bern. Dieselben Hengste hatten laut Dr. Burger einen niedrigeren Sperm Count mit weniger Beweglichkeit, wenn sie neben einer Stute aufgestellt wurden, ohne zuvor einige Wochen neben anderen Hengsten aufgestallt gewesen zu sein.

„Die Charakteristika des Ejakulats sind plastisch (= können sich verändern), und hier finden wir bestätigt, dass Spermaquantität und -qualität auf das soziale Umfeld der Hengste reagieren“, sagte Dr. Burger.

In ihrer Studie untersuchten die Forscher 12 gesunde, fruchtbare Hengste der Rasse Franches-Montagnes im Schweizer Nationalgestüt in Avenches. Die Hengste verbrachten zunächst acht Wochen in einer von zwei Situationen: in einem reinen Hengststall, jeder in einem individuellen Stall, von den anderen Hengsten durch ein Gitter getrennt, oder in einem gemischten Stall, in dem jeder der Hengste neben einer Stute stand, ohne dass andere Hengste in dem Stall waren. Dann wurde die Stallsituation für acht Wochen umgekehrt. Die Forscher testeten jeden Hengst in allen möglichen Kombinationen, und alle Hengste deckten während dieser Zeit nach einem standardisierten Protokoll. Die achtwöchige Dauer war wichtig, um die gesamte Periode der Samenproduktion zu umfassen, so dass sie Forscher den Effekt der sozialen Situation schon von den den frühesten Stadien der Samenbildung an verfolgen konnten. Das Team fand heraus, dass der Sperm Count und die kurvilineare Velozität (die „Schlängelgeschwindigkeit“) am höchsten waren, wenn ein Hengst neben einer Stute stand, nachdem er acht Wochen neben Hengsten gestanden hatte. Sperm Count und kurvilineare Velozität waren dagegen niedriger, wenn die Hengste mit Stuten aufgestallt waren, ohne vorher mit Hengsten aufgestallt gewesen zu sein.

Hengste, die mit anderen Hengsten aufgestallt waren und anschließend noch nicht mit Stuten aufgestallt worden waren, hatten mittelmäßige Samenqualität.

Interessantenweise hingen die Testoste­ronspiegel in manchen Fällen mit der Samenmenge zusammen. Die mit anderen Hengsten zusammen aufgestallten Hengste zeig­ten keine signifikante Korrelation, aber wenn die Hengste dann mit einer Stute aufgestallt waren, schien der Testosteronspiegel die Samenmenge anzuzeigen.

(„Ejaculate Characteristics Depend on Social Environment in the Horse, Equus caballus“) PLoS One.

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