Mein Lieblingspferd, mein Ehemann und ich

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Gestern Abend, so mein Ehemann, habe er nachgedacht und jetzt da die Turniersaison wieder begonnen habe, frage er sich ob auch mir schon aufgefallen sei, dass pferdebegeisterte Mütter und Töchter zwar die Begeisterung für ein Tier und ein Hobby teilten, aber bei der gemeinsamen Ausübung des Sports und den damit verbundenen Verpflichtungen wohl eine ganz besondere Beziehung haben. Und darüber solle nun ich seine Ehefrau, doch auch einmal nachdenken.

Kein Problem dachte ich, denn , Rumpelstilzchen, Brüderchen und Schwesterchen, Rotkäppchen, Dornröschen, Schneewittchen, Rapunzel, kein Märchen ohne Mütter und Töchter. Also kann die Beziehung zwischen den beiden doch nur märchenhaft sein. Ist sie auch, jedenfalls so lange Dornröschen noch klein ist: Mama sieht in Jeans und Westernboots immer cool aus, mutig führt sie die Pferde auf die Weide, mit leichter Hand mistet sie Boxen. Sie gibt den besten Reitunterricht, gewinnt die meisten Schleifen und sucht für die Führzügel- und Walk- Trotklassen einfach die schicksten Blusen und Hüte aus. Sie weiß auf jede Frage der kleinen Prinzessin eine Antwort und die kann sich ein Leben ohne Mama gar nicht vorstellen. Mama ist das Universum. Es ist märchenhaft, bis – ja, bis Dornröschen nicht von einem Prinzen, sondern von einem Sturm der Hormone wach geküsst wird.

Mamas Jeans erscheinen jetzt zu eng und die Boots ausgelatscht. Wenn sie die Pferde rausführt, gibt es jedes Mal Theater und es dauert ewig bis die Boxen gemistet sind. Ihre Reittipps sind völlig veraltet und wenn sie auf dem Turnier mehr Schleifen holt als die Prinzessin ist das nur peinlich. Sie weiß natürlich nicht welches Outfit gerade in den Jugendklassen angesagt ist und hat auch sonst keine Ahnung von irgendwas. Ein Leben ohne Mama ist durchaus vorstellbar. Naja fast, denn sie kann, im Gegensatz zu Dornröschen, mit dem Hänger fahren.

Diese Mama hat außerdem fünf Tage hintereinander die Pferde alleine versorgt, die Boxen gemistet, das Lederzeug geölt und einen Termin mit dem Trainer vereinbart. Sie tut dies, weil sie Verständnis hat für den Schulstress, die Bedeutung der Treffen mit der besten Freundin  und die Tour durch die Boutiquen der Stadt. Sie weiß, wie wichtig gestylte Fingernägel sind und das Instagram keine Modesünden verzeiht. Nun am Sonntagvormittag  aber ist sie genervt  von einem Teenager, der nicht gestört werden möchte, den ein Kater nach einer Partynacht zur Bettruhe zu zwingen scheint. Und der schließlich, eine Stunde später, immer noch nicht weiß, welches Shirt am besten zur Stallarbeit passt: Das Selfie mit der Mistkarre soll ja schon schick sein und für eine App ist auch noch Zeit. Stress ist doch wirklich das Letzte was man braucht.  Spätestens jetzt fragt sich Mama, warum sie dem „bitte kann ich ein Pferd haben, bitte, Mama, bitte, ich verspreche, ich werde mich darum kümmern“ jemals nachgegeben hat. Und sie weiß, die Zeit, da sie sich generell alleine um die Pferde kümmern muss ist nicht mehr weit. Und dann mischt sich Wehmut mit Stolz, denn nach dem gemeinsamen Ausritt wissen beide wieder:  Im Team sind wir stärker und daran wird auch die kommende Zeit (hoffentlich) nichts ändern.

Und was den Prinzen angeht, da habe ich Dornröschen noch immer etwas voraus, denn geküsst werde ich von meinem Lieblingsmann. Und das, so meine Ehemann, habe er eigentlich nur hören wollen.

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