Mein Lieblingspferd, mein Ehemann & ich…

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Gestern Abend, so mein Ehemann, habe er nachgedacht und glaube nun, dass der Beruf des Trainers wohl sehr vielseitig sei. Ein Trainer sei wohl nicht nur ein –möglichst erfolgreicher – Reiter, sondern auch Lehrer, Therapeut, Coach, Mentor und vor allem geduldig, nervenstark, gelassen und nachsichtig. Ja, er könne fast ein – ziemlich gut bezahlter -Traummann sein und darüber solle nun ich, seine Ehefrau, doch auch einmal nachdenken.

Kein Problem, dachte ich, denn mein Trainer schafft es immer aus meinen reiterlichen Fehlern eine sinnvolle Erfahrung zu machen. Er findet aufmunternde Worte, auch dann, wenn ich bei jedem Stopp zu viel Zügel in der Hand habe, die Speedcontrol eigentlich nie funktioniert, meine unruhige Hand, die falsche Position meiner Beine: Runde um Runde die gleichen Fehler. Trainer scheinen eine Engelsgeduld oder jede Menge Happy Pills in der Tasche zu haben. Unermüdlich führen sie uns durch unsere Ups und Downs, teilen unsere Freude über den Erfolg und trösten uns bei Misserfolge. Oder wollen sie vielleicht nur ihre Schüler vor der Wahrheit schützen? Ich glaube, wenn wir hören könnten was sie wirklich denken, hätten wir einen anderen Blick auf unser reales Reiterleben.
Er sagt: „ Du hast Potential“ und meint „Sicher irgendwo, aber nicht in diesem Sport“
Er sagt. „Das Pferd ist für Dich vielleicht noch ein bisschen jung“ und meint „Du wirst noch zwanzig Jahre lang Privatstunden brauchen“.
Er sagt:“ Mach Dir nichts draus, morgen wird es besser“ und meint: „Schlechter als heute geht es wirklich nicht.“
Er sagt: „Entspann Dich und hab’ Spaß“ und meint „das ist das Beste was Du erreichen kannst.“
Er sagt: “Denk’ daran, was wir zuhause geübt haben“ und meint: „Versuche nicht so zu reiten wie zuhause.“
Er sagt: “Ich werde dein Pferd wohl ein bisschen ins Training nehmen müssen“ und meint: “Es wird mindestens drei Monate dauern, bis ich deine Fehler korrigiert habe.“
Er sagt: “Es war wirklich eine anspruchsvolle Pattern.“ Und meint: „Ich hoffe niemand hat etwas gesehen“
Er sagt: “Es war wirklich toll, wie Du das erste Trailhindernis geschafft hast“ und meint: „besonders, weil es das einzige war, bei dem Du keinen Fehler gemacht hast“.
Er sagt: „Wir sollten Dein Pferd nicht überfordern, lass es uns langsam angehen.“ Und meint: “Ich werde ja schließlich nach Stunden bezahlt.“
Er sagt. “Dein Pferd braucht eine kleine Trainingspause.“ Und meint: “und ich Urlaub.“
Er sagt: „Eigentlich hättest Du diese Klasse auch gewinnen können.“ Und meint: “Wenn Du der einzige Starter gewesen wärest.“
Er sagt: „Dein Pferd ist ein echter Kumpel.“ Und meint: “Aber es wird niemals ein Showpferd.“
Er sagt: Ich brauche ein Bier.“ Und meint: „ Ich brauche dringend ein Bier“

Ach ja, es ist einfach gut, wenn man keine Gedanken lesen kann, denn so bleiben Pferdetrainer eben doch die nettesten Trainer der Welt. Wie sonst könnten wir immer wieder mit Spaß und Selbstbewusstsein in den Sattel steigen?
Und wir, mein Lieblingspferd, mein Ehemann und ich, meinen was wir sagen und sagen was wir meinen, Meistens, jedenfalls, bestimmt aber immer dann, wenn es nicht weh tut. Und die Frage nach dem Traummann stellt sich ja sowieso nicht. Und das, so mein Ehemann, habe er eigentlich nur hören wollen.

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